Prostitution in der Nordstadt

Erkenntnisse der Beratungsstelle KOBER nach Inkrafttreten der neuen Sperrbezirksverordnung am 16. Mai 2011 in Dortmund

3.Quartal 2011

 

Kontakte: Quantität und Qualität

 

Nach wie vor sind nach Inkrafttreten der neuen Sperrbezirksverordnung unsere Kontakte zum Klientel im Vergleich zum Zeitraum davor eingeschränkt.

Im Schnitt haben wir täglich durch Streetwork Kontakt zu 20-30 Frauen pro Tag. (Vorher etwa 40-60). (Siehe Anhang)

Die Qualität der Kontakte bei der Straßensozialarbeit ist ebenfalls reduziert, da die Frauen, die wir auf der Straße treffen, in dieser Situation selten Interesse an längeren Gesprächen haben, keine Zeit dafür aufbringen wollen/können und Bedenken haben, von beobachtenden Ordnungsbeamten in Zivil im Gespräch mit uns als Prostituierte geoutet zu werden.

Insgesamt werden die Kontakte aber wieder intensiver. Die Frauen gewöhnen sich an die neue Situation, sprechen uns vermehrt während der Streetwork an, kommen vor allem vermehrt tagsüber –auch ohne Termin, direkt in die Beratungsstelle und bringen auch Freundinnen mit, um in verschiedensten Notlagen Kontakt zu uns zu vermitteln.

Insgesamt sind die Gesamtkontaktzahlen im 3.Quartal 2011 um etwa 20% niedriger als im gleichen Vorjahresquartal. (Siehe Anhang)

 Beratungsbedarf Männer

Verstärkt werden wir allerdings auch von hilfesuchenden Männern aus Bulgarien in diversen Notlagen angesprochen. Sobald unsere Dolmetscherin auf den Straßen und Plätzen der Nordstadt auftaucht, wird sie nicht selten gleich von einer Traube Menschen aus Bulgarien umringt. Unsere Bemühungen, die männlichen Hilfesuchenden an für sie zuständige Beratungsstellen (Migrationsberatung, Drogenberatung, ärztlicher Notdienst etc.) zu vermitteln, scheitern in der Regel. (Können Adressen, Wegbeschreibungen und Öffnungszeiten nicht lesen, keine telefonischen Kontakte machen, haben keine Meldeadresse, können Infomaterialien/Post nicht lesen etc.) Im Rahmen unserer Kooperationen und Vernetzungen mit anderen Beratungsstellen bemühen wir uns dringend um Unterstützung durch Straßensozialarbeiter mit Dolmetschern in der Dortmunder Nordstadt, die auch für Männer und Frauen zuständig sind, die nicht in der Prostitution tätig sind. Es kann nicht sein, dass unsere Dolmetscherin mit einer 20 Stunden Honorarstelle die einzige Ansprechpartnerin vor Ort für alle diese Menschen mit ihren sehr vielfältigen Problemlagen in ganz Dortmund ist.

Konkrete Zahlen

Uns sind derzeit 100 Frauen namentlich (mind. mit Künstlerinnennamen) bekannt, die nach wie vor der Straßenprostitution in der Dortmunder Nordstadt nachgehen. Nur über diese Teilmenge können wir konkretere Aussagen machen. Die Gruppe der 100 aktiven Straßenprostituierten, zu der wir aktuell relativ regelmäßige Kontakte haben, setzt sich wie folgt zusammen:

46 kommen aus Bulgarien, davon sind etwa 8 drogengebrauchend.

35 sind deutsche, davon sind etwa 21 drogengebrauchend.

5 aus Rumänien und je eine aus Polen, Italien, Serbien und Marokko.

Von 14 ist uns das Herkunftsland noch nicht sicher bekannt, davon sind mindestens 4 drogengebrauchend.

An dieser Stelle noch einmal der ausdrückliche Hinweis, dass es sich hier nur um eine Teilmenge der Frauen handelt, die in der Dortmunder Nordstadt auf der Straße der Prostitution nachgehen, weil wir nicht zu allen Frauen engeren Kontakt haben.

Nicht mehr in der Nordstadt aktiv

Bei dieser ersten Quartalsstatistik haben wir 28 Frauen von der Liste der aktiven Frauen gestrichen, weil wir aktuell keinen Kontakt mehr zu ihnen haben. Von den meisten ist uns der Verbleib unbekannt. Einige sind in anderen legalen Prostitutionsbereichen in Dortmund und NRW tätig. Mindestens 3 befinden sich im Ausstiegsprozess. 2 Frauen befinden sich nach Gewaltübergriffen auf der Intensivstation.

Neu-/Wiedereinsteigerinnen

46 Namen sind seit Anfang Juli neu hinzugekommen. Die meisten sind Rückkehrerinnen, die uns lange von der Ravensbergerstraße bekannt sind. Zum Teil waren sie vorübergehend in anderen Prostitutionsbereichen in NRW, zum Teil in anderen Ländern. Einige sind ganz neu aus den neuen EU-Ländern nach Dortmund in die Prostitution gekommen.

Unsichtbare Prostitution

Wir wissen, dass viele der Frauen, die ehemals auf dem Straßenstrich der Prostitution nachgingen, jetzt vor den Augen der Öffentlichkeit verborgen in Wohnungen und Kneipen/Teestuben (Hinterzimmern) im Sperrbezirk, vornehmlich in der Nordstadt, arbeiten. Die Kundenkontakte werden per Handy und Internet, meist aber über männliche Vermittler, die Kunden auf der Straße oder in der Kneipe/Teestube ansprechen, hergestellt.

Die Kontaktaufnahme gestaltet sich schwierig, da wir uns jetzt in einem Milieu der Illegalität bewegen und die Frauen nicht oder nur sehr selten selbst in den Kneipen/auf der Straße in Erscheinung treten.

Fast alle uns bekannten Frauen arbeiten aber zumindest gelegentlich auf den Straßen und Plätzen der Nordstadt. Auch dort sind sie jedoch meistens für die Bevölkerung unauffällig gekleidet und verhalten sich nicht auffällig, um nicht die Aufmerksamkeit der Task-Force auf sich zu ziehen. Besonders den drogengebrauchenden Frauen gelingt es jedoch oft nicht und sie und ihre möglichen Kunden werden vermehrt mit Ordnungsstrafen bedacht.

 Gewaltopfer

Mehrere Frauen sind unseres Wissens in diesem Quartal Opfer von Gewaltübergriffen durch Kunden/Profiteure geworden.

In einem Fall wurde eine Frau von einem Kunden mit einem Messer bedroht und leicht verletzt und in ihrer Wohnung beraubt.

In den anderen Fällen ging es um körperliche Gewalt ohne Waffengebrauch und es gab nur leichte Verletzungen.

Mehrfach erfuhren wir von Bedrohungen durch Kunden, die die Frauen mit einer Anzeige wegen Prostitution im Sperrbezirk drohten und dafür Preisnachlässe oder Sonderleistungen von den Frauen erpressten.

Trotz der in solchen Fällen zugesagten Nichtverfolgung der Prostitutionstätigkeit im Sperrbezirk wollen diese Frauen keine Anzeige erstatten.

In den folgenden drei Fällen kam es dennoch zur Anzeige und sie wurden auch in den örtlichen Medien behandelt:

Einer schwangeren Klientin wurde die Matratze in ihrer Wohnung in Brand gesteckt, sie kam mit einer Rauchvergiftung ins Krankenhaus. Mehrere Bewohner mussten über eine Drehleiter evakuiert werden. Nach dem Brandstifter wird ermittelt.

Zwei Fälle von versuchter Tötung an Straßenprostituierten im Sperrbezirk erreichten die Öffentlichkeit über lokale Medien. In einem Fall stieß ein Kunde die Frau in einem Streit nach mehreren Stichverletzungen aus dem Fenster, im anderen Fall wurde eine Frau, die aussteigen wollte, auf offener Straße von ihrem Zuhälter mit einem Messer in den Rücken gestochen. Beide Frauen sind nach wie vor in stationärer Behandlung.

 Gewaltprävention

Wir können nicht, wie früher im Container, eine Liste installieren, auf der die Frauen auch anonym gewaltbereite Kunden nennen und beschreiben können, um die anderen Frauen zu warnen, denn die Beschreibungen der Täter sind dafür unzureichend und eine Autonummer nicht bekannt, da die Kontakte nicht vom Auto aus zustande kamen. Außerdem fehlt ein gemeinsamer Ort, an dem diese Liste für möglichst viele Frauen einsehbar wäre. Der Container wurde von fast allen Frauen regelmäßig besucht, in die Beratungsstelle kommt nur ein Bruchteil der aktiven Frauen.

 Beratungsbedarf

Es kommen täglich etwa 5-7 Frauen, meist ohne Termin, spontan in die Beratungsstelle, wenn sie Fragen oder Probleme haben.

  • Auch die Abgabe von Präventionsmaterial findet hauptsächlich hier statt, ist aber insgesamt massiv zurückgegangen. Auf der Straße werden wir meist nur um 2 kostenlose Kondome gebeten.
  • Die Nachfrage nach Lebensmitteln ist gestiegen. Nach wie vor bemühen wir uns, in diesen Fällen zu helfen, aber wir möchten nicht dauerhaft zu einer Lebensmittelausgabestelle werden. Da aber Nahrung für einige Frauen das dringendste Bedürfnis ist, müssen wir dieses natürlich zunächst erfüllen, bevor wir weitere Beratungsschritte andenken. Wir kooperieren hier nach wie vor sehr erfolgreich mit der Dortmunder Tafel.
  • Häufig wenden sich Frauen an uns, weil sie sich von den Vertretern der Ordnungsbehörden unangemessen behandelt fühlen.
  • Einige wenige Frauen der Ravensbergerstraße konnten wir darin unterstützen, in legale Prostitutionsbereiche innerhalb Dortmunds zu wechseln. Diesbezügliche Anfragen hatten wir zwar viele, aber meist scheiterte dieser Wechsel an diversen Hemmnissen. (Werden in Clubs/Bordellen abgewiesen und haben kein Startkapital z.B. um sich als Kleingruppe eine Wohnung außerhalb des Sperrbezirkes anzumieten und einzurichten, bzw. fürchten, die Miete nicht aufbringen zu können…)
  • Fälle von drohender Wohnungslosigkeit wegen unbezahlter Mieten häufen sich in der Beratung in der letzten Zeit.
  • Drogengebrauchende Frauen in akuter Notlage (Entzugssyndrom) finden oft den Weg in unsere Beratungsstelle. Wir kontaktieren die Mitternachtsmission und verweisen die Klientinnen an die Kolleginnen. Ist spontane Hilfe nicht möglich, kommt es vor, dass wir einen Krankenwagen rufen, weil es nicht zu verantworten ist, die Frauen in einem derartigen Zustand wieder vor die Tür zu schicken. Für diese Fälle entwickeln wir nun gemeinsam mit der Mitternachtsmission eine Absprache zur Umgehensweise.

Ungewollte Schwangerschaften

 Nachdem es zunächst zu einer Häufung von ungewollten Schwangerschaften seit Schließung des Straßenstrichs kam, hat sich dieser Trend nicht fortgesetzt. Wir können mit Erleichterung feststellen, dass es unseres Wissens nach nicht zu einem bleibenden Anstieg der Fälle von ungewollten Schwangerschaften gekommen ist.

 Neue Frauen

Bisher sind uns nur wenige Frauen persönlich/namentlich bekannt, die NACH Inkrafttreten der Verordnung nach Dortmund (Nordstadt) neu in die Prostitution gekommen sind. Ihnen war bewusst, dass in Dortmund Straßenprostitution verboten ist.

Diese Frauen treffen wir sehr selten auf der Straße an. Sie arbeiten hauptsächlich in den „Kneipen-Hinterzimmern“ oder in Wohnungen, oft ohne in Dortmund gemeldet zu sein.  Da aber immer mehr der uns bekannten Frauen mit Wohnungen in der Nordstadt Probleme mit ihren Mietzahlungen haben, fürchten wir, dass einige von diesen auch früher oder später in diesem verschlossenen Milieu stranden und unsere Kontaktmöglichkeiten auch zu diesen Frauen dann sehr eingeschränkt sein werden.

Opfer von Menschenhandel

Nach unseren bisherigen Erkenntnissen möchten wir festhalten, dass die Tatsache, dass eine Frau unter- nach unseren Maßstäben- menschenunwürdigen Umständen lebt und völlig unprofessionell in der Prostitution arbeitet, nicht automatisch bedeutet, dass sie „Opfer von Menschenhandel“ ist.

Zwar gibt es jetzt mehr männliche Profiteure von Prostitution, („Vermieter“ und „Vermittler“, „Steher“ sowie „Dolmetscher“ und „“Beschützer“), die Frauen wählen diese aber oft bewusst aus und bezahlen sie meist freiwillig für ihre Dienste.

Die Notwendigkeit für diese „Dienstleister“ ergibt sich aus der neuen Sperrbezirksverordnung, denn die Frauen wollen nicht mehr riskieren, sich selbst auf der öffentlichen Straße zu bewegen.

Die – zugegeben noch wenigen- neu angekommenen Frauen, zu denen wir Kontakt haben, bestätigen uns, dass sie sehr genau wussten, was sie hier in Dortmund erwartet. Auch wenn die Verdienstmöglichkeiten und Lebensumstände für Prostituierte hier jetzt deutlich schlechter sind, bleibt es doch für die Frauen die einzige Möglichkeit, Geld für ihre Familien zu beschaffen.

Auch ohne „Opfer von Menschenhandel“ zu sein, ist es dringend erforderlich, dass diesen Frauen geholfen wird und sie und ihre Familien jede nur mögliche Unterstützung erhalten, ein nach europäischen Maßstäben menschenwürdiges, sicheres und selbst bestimmtes Leben zu führen!

Die aktuelle Entwicklung bezüglich des Umgangs mit der ethnischen Minderheit der Roma in Bulgarien macht deutlich, dass eine Rückkehr in die vermeintliche „Heimat“ für diese Menschen keine Option ist.

 Warum Dortmund?

 Da die Frauen in der Heimat direkte Kontakte zu Menschen in Dortmund haben, kommen sie gar nicht auf die Idee, in andere Städte oder gar andere europäische Länder zu gehen. Hier scheint sich eine Art interne Infrastruktur etabliert zu haben, die offensichtlich flexibel auf die neue Lage in Dortmund reagiert hat, indem sie Hinterzimmer und Wohnungen für die Prostitution, sowie ein neues Anbahnungskonzept über männliche Vermittler installiert hat.

Wenige Frauen, die versucht haben in anderen Ruhrgebietsstädten zu arbeiten, erzählen Geschichten von massiven Bedrohungen und Gewalt durch andere Frauen bzw. deren männliche Begleiter, so dass kaum mehr eine auch nur versucht, in andere Städte zu gehen.

 Hierzu ein Zitat aus dem „Hellweger Anzeiger“ vom 19.07.2011:

 Einen „leichten Anstieg an Roma-Frauen“ hat auch die Essener Polizei bemerkt. Ein Problem sei dies nicht, heißt es. „Die Frauen regeln das untereinander, es reguliert sich von selbst“, sagt Detlef Feige. „Trotzdem – wir haben einen Blick drauf.“ Die Stadt Essen wolle verhindern, dass sich die Lage am Kirmesplatz verändere. „Wir sind zufrieden mit der aktuellen Situation“, sagt der Sprecher.

Quelle: http://www.hellwegeranzeiger.de/nachrichten/nrw/Hier-und-Heute-Nach-Strassenstrich-Aus-in-Dortmund-Prostitution-im-Umland-steigt;art1544,1351497

Dieses gewaltsame Vorgehen gegen Frauen aus den neuen EU-Ländern, die völlig legal ihrer Tätigkeit in einer anderen Stadt nachgehen möchten, scheint also sogar von offiziellen Stellen mehr als nur geduldet zu werden.

Über die landesweite Kooperation KoopKoMa (www.koopkoma.de) wird vermehrt von Frauen angefragt, wo denn in NRW überhaupt noch Straßenprostitution erlaubt ist. Offenbar kursieren da vielerorts falsche Auskünfte. Frauen berichten von Platzproblemen und Verdrängungseffekten in ganz NRW.

Was macht KOBER?

Wir sind in der Lage, flexibel auf die Gegebenheiten zu reagieren:

  • Unser Cafe ist jetzt nicht mehr an 4, sondern nur noch an 2 Abenden in der Woche geöffnet, weil die Präsenz auf den Straßen zu mehr Kontakten führt. (Di und Do 18-20 Uhr)
  • Dafür haben wir unsere Streetworkeinsätze verstärkt und sind Dienstags, Donnerstags abends (20-22Uhr) sowie Freitags und Dienstags(11-13:00 /12-14 Uhr) je 2 Stunden , Montags und Mittwochs  (17-21:00 / 18-22:00 Uhr ab Oktober) jeweils 4 Stunden unterwegs.
  • Die Frühstückstreffen finden davon unberührt zweimal wöchentlich statt und sind nach wie vor gut besucht. (Mo und Mi 10-12 Uhr)
  • Mindestens 1 mal monatlich machen wir Streetworkeinsätze nach 24 Uhr, um Kontakte zu den dann arbeitenden Frauen zu erhalten.
  • Etwa 4 mal pro Woche besuchen wir diverse Kneipen/Teestuben etc, von denen wir wissen, dass dort Prostitution stattfindet oder vermittelt wird.
  • Praktisch jeden Dienstag Abend ist einer der mit uns kooperierenden Ärzte vor Ort. Mittlerweile hat sich diese neue Sprechstunde herumgesprochen und wird auch wieder gut angenommen.
  • Im Rahmen eines Projektes des Gesundheitsamtes Dortmund konnten bereits am ersten Termin 8 Personen ohne Krankenversicherungsschutz kostenlos und unbürokratisch eine 4-fach Impfung bei uns im Cafe erhalten.
  • Nach wie vor bemühen wir uns, in der Öffentlichkeit und den Medien gegenüber um eine klare und sachliche Darstellung von Fakten und Zahlen.

Entwicklung

Viele Frauen, die zunächst „Urlaub“ in der Heimat gemacht haben oder in Clubs, meist außerhalb Dortmunds, untergekommen waren, tauchen wieder in der Nordstadt auf.

Gleichzeitig begegnen uns immer wieder unbekannte Gesichter, die offensichtlich neu in Dortmund sind. Diese neuen Frauen sind uns gegenüber sehr misstrauisch, sofern ihnen nicht von einer Bekannten eindringlich versichert wird, dass wir wirklich nicht „Polizei“ sind.

In dieser ersten Quartalsstatistik stellen wir fest, dass aber auch der Kontakt zu einigen Frauen, die zunächst noch in Dortmund geblieben waren, wieder abgebrochen ist. Über den Verbleib der meisten haben wir keine Informationen. Insgesamt halten sich seit einigen Wochen Neuzugänge und abgebrochene Kontakte/Aus-Umsteigerinnen die Waage, so dass sich die Zahl der aktiven Straßenprostituierten, zu denen wir Kontakte aufbauen können, bei 100-120 eingependelt zu haben scheint.

Wir schätzen, dass in den nächsten Monaten immer mehr Frauen wegen beharrlicher Verstöße gegen die Sperrbezirksverordnung und nicht bezahlter Geldstrafen inhaftiert werden müssten. Wir hoffen sehr, dass im Interesse aller Beteiligten hier eine menschlich und politisch sinnvollere Lösung gefunden wird.

Wir hoffen außerdem, dass die von uns befürchtete Entwicklung nicht eintritt, und weder Gewaltübergriffe, noch gesundheitliche Probleme sowie STD`s ansteigen, während die Lebens- und Arbeitsumstände der Frauen immer miserabler werden.


Anhang: Statistisches - Vergleiche 3.Quartal 2010/2011

Während sich die Zahl unserer Kontakte durch Streetwork (früher Container und Streetwork Straßenstrich, heute nur Streetwork in der Nordstadt) etwa um 50% reduziert hat…. 


...sind unsere Kontaktzahlen insgesamt, also inklusive Kontakte/Kurzkontakte in der Beratungsstelle und im Cafe, Besuche, etc. nur um etwa 20% gesunken

 3.Quartal 2010: 2563       3.Quartal 2011: 1906

Das heißt, deutlich mehr Frauen als früher finden jetzt direkt und spontan den Weg in unsere Beratungsstelle.

Intensivere Kontakte/Beratungen haben insgesamt deutlich zugenommen:

 

  Cafekontakte Begleitungen Besuche Beratungen Telef.Beratung
3.Quart 2010 217 31 4 46 66
3.Quart 2011 227 70 14 82 77

Die Beratungsthemen haben sich massiv verschoben. Während sich die Beratungen zu fast allen beratungsintensiven Themen fast alle etwa verdoppelt haben

(insbesondere Migration/Ausländerrecht, Psychosoziale Beratung, Schulden und Recht allgemein) ist die Zahl der Gesundheitsberatungen

(Präventionsmaterialien, Sicher arbeiten, sexuell übertragbare Krankheiten, Empfängnisverhütung etc.) im Quartalsvergleich 3.Quartal 2010/2011 um etwa 80% zurückgegangen:

 

  Psychosozial Existenzsicherung Rechtliche Fragen Migration Schulden Akute Krisen Psych. Intervention Gesundheit
3.Quart 2010 61 31 26 30 13 14 4 586
3.Quart 2011 114 51 52 81 30 16 1 112

 

Beratungsthemen 3.Quart. 2010      2011

Psychosozial

61

104

Existenzsicherung

31

51

Rechtlich (Prost.)

26

52

Migration

30

81

Schulden

13

30

Akute Krisen

14

16

Psych. Intervention

4

1

Gesundheit/Prävention

586

112

 

 

Quelle: Offizielle Quartalsstatistiken der Beratungsstelle Kober