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Stellungnahme der Beratungsstelle KOBER zur aktuellen Situation auf der Ravensberger Straße im Frühling/Sommer 2008
Seit der Verlegung des Straßenstrichs aus dem Sperrbezirk hin zur nahe der Bornstraße gelegenen Mindener-, Julius- und Ravensberger Straße, sowie der Errichtung des Beratungscontainers von KOBER direkt an der Ravensberger Straße im Jahr 2000 hat sich die Situation im Bereich der Straßenprostitution stark verändert und weiterentwickelt.
Waren es zu Beginn, Ende der Neunziger Jahre ca. 60 Prostituierte, zu denen KOBER im Laufe eines Kalenderjahres Kontakt hatte, sind es in 2007 bereits über 500 Frauen unterschiedlichster Nationalität und Herkunft – mit den verschiedensten Hintergründen und Problemlagen.
Deutlich soll an diesem Punkt erwähnt sein, dass der Bereich „Straßenprostitution“ nur einen Teilbereich der Prostitutionsrealität darstellt.
Natürlich kennen auch wir die selbstbewusste Geschäftsfrau, die sich eigenständig und willentlich für eine Tätigkeit im Prostitutionsbereich entschieden hat und mit diesem Beruf ihren Lebensunterhalt bestreitet.
Ebenso unterstützen wir die sozial-politische Richtungslinie, diese Frauen in all ihren Rechten zu stärken und langfristig auf eine Entstigmatisierung von Prostitution hin zu wirken.
Im Bereich der Straßenprostitution treffen wir allerdings bislang noch viel zu selten auf diese berufliche Wirklichkeit.
…unsere Klientel:
Vielmehr sind finanzielle Notlagen, Suchtmittelabhängigkeit, psychischer Druck – hier ist weiterhin häufig der sogenannte „Lebensgefährte“ zu nennen – und nicht zuletzt fehlende Schul- und Berufsabschlüsse (und daraus resultierend ein Mangel an beruflichen Alternativen in Deutschland oder im jeweiligen Heimatland) die fortwährenden Motive für die Aufnahme einer Tätigkeit im Prostitutionsbereich, vor allem im Bereich der Straßenprostitution.
Unser Augenmerk gilt daher besonders der Verbesserung der psycho-sozialen, sowie der rechtlichen Situation dieser Frauen.
…Gründe für die stetig wachsende Anzahl von Frauen auf dem Straßenstrich:
Die Anzahl von Straßenprostituierten in Dortmund ist unserer Meinung nach insbesondere durch folgende Faktoren erklärbar:
Nach wie vor sind vorrangig finanzielle Engpässe und der Glaube an „das schnelle Geld“ ein wichtiger Motor für die Aufnahme einer Tätigkeit im Prostitutionsgeschäft.
In Folge der Legalisierung der Prostitution, des neuen ProstG vom
Durch das Prostitutionsgesetz sehen sich viele Frauen nicht länger gezwungen, ihre Tätigkeit im Verborgenen ausüben zu müssen; sie können zu ihrem Gewerbe eher Stellung beziehen und sind daher für andere auch besser erkenn- und wahrnehmbar
80% der Frauen die auf dem Dortmunder Straßenstrich arbeiten, kommen aus dem Ausland.
Besteht eine rege Nachfrage, steigt damit auch Umfang und Ausmaß des Angebots.
… aktuelle Entwicklungen & Lebenswelt der Zielgruppe:
Unzureichendes Vorwissen in Bezug auf sexuelle Dienstleistungen und häufig mangelnde Kenntnisse der deutschen Sprache gestalten den Arbeitsplatz gerade für die – oftmals sehr jungen – Frauen aus den neuen Beitrittsstaaten in jedweder Hinsicht als extrem gefährlich.
Dies verlangt von den KOBER-Mitarbeiterinnen ein komplexes pädagogisches, sozialarbeiterisches und sozialrechtliches Repertoire und macht darüber hinaus einen besonders niederschwelligen Arbeitsansatz von Nöten – vor allem hinsichtlich der Aufgabenkreise „sicheres Arbeiten“, „schonendes Arbeiten“ sowie „geschütztes Arbeiten“, mit besonderem Augenmerk auf den Bereich von sexuell übertragbaren Krankheiten (STD).
Sehr häufig stellen wir fest, dass gerade die Frauen aus den neuen EU-Staaten für die Arbeit im Ausland nicht mit einem ausreichenden Krankenversicherungsschutz ausgestattet sind.
So beobachten wir vielschichtige Erkrankungen und einen allgemein schlechten Gesundheits-zustand; von Unterleibsentzündungen, massiven Zahnschmerzen bis hin zu ungewollten und sogar über lange Zeit unentdeckt bleibenden Schwangerschaften.
Nur mit Mühe kann den Frauen in Einzelfällen geholfen werden. Diese Hilfen entsprechen aber in keinster Weise dem medizinischen Standard von Deutschland in 2008.
Als wichtige und latent einflussnehmende Größe im Hinblick auf die zunehmende Komplexität der Arbeits- und Aufgabenbereiche von KOBER ist die Gruppe drogengebrauchender Frauen zu nennen, die auf der Straße der Prostitution nachgehen und einen Anteil von fast 20 % ausmachen.
Da das Arbeitsverhalten von Beschaffungsprostituierten meist extrem schonungslos und selbstgefährdend ist, zeichnet sich die Arbeit mit dieser Klientel – die sich meist als besonders schwieriger und langwieriger Prozess gestaltet – oftmals durch signifikante Besonderheiten aus.
…rechtliche Rahmenbedingungen:
Natürlich könnte man jetzt argumentieren, dass das Prostitutionsgesetz von 2002 die Lebenssituation von Frauen, die in Deutschland der Prostitution nachgehen, erheblich verbessert hat.
Prostitution wird nicht länger als sittenwidrig betrachtet. Alle Frauen haben die Möglichkeit, auf legaler Basis einer Tätigkeit im Bereich der Prostitution nachzugehen. Sie können ein Gewerbe anmelden, sind verpflichtet, Steuern zu zahlen, eine eigene Buchführung zu führen und sich kranken zu versichern.
Rechtliche Unklarheiten, hochschwellige Zugangsvoraussetzungen und nicht zuletzt die Angst vor sozialer Stigmatisierung führen dazu, dass viele Frauen nach wie vor nicht dazu bereit sind, sich als „Prostituierte“ zu outen und sich damit weiterhin in einer sozial-rechtlichen Grauzone befinden.
Um eine langfristige Verbesserung der Lebenssituation unserer Zielgruppe zu bewirken, liegt noch ein langer Weg vor uns, den wir nicht alleine beschreiten kön
Aufgrund der vielschichtigen Problemlagen, einer wachsenden Anzahl an Klientel, sowie der großen Gruppe von Frauen, die wir seit der EU-Erweiterung Anfang 2007 auf der Straße antreffen können und ferner uns fehlender finanzieller Mittel, sind wir dabei mehr den je auf die Vernetzung und Kooperation mit Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen spezialisierter Beratungseinrichtungen, Behörden und Institutionen und auf Ansprechpartner und Fürsprecher auf sozialer, rechtlicher und politischer Ebene angewiesen, mit denen wir gemeinsam nach grundsätzlichen Lösungsmodellen suchen wollen.
Situation in Dortmund /Örtliche Gegebenheiten & Bedingungen auf der Ravensberger Straße:
Wir sind der Meinung, dass
- Sanitäre Anlagen etc.
- Infrastruktur
- Duschen
- Umkleidemöglichkeiten
- Ruheräume
fehlen. Die Finanzierung solcher Neuerungen sollte nicht ohne Einbeziehung der dort arbeitenden Frauen erfolgen.
Unser Anliegen:
Wir möchten diese Gelegenheit nutzen, um einen Appell an alle zuständigen Ämter und Behörden auf kommunaler, landesweiter und auf bundesweiter Ebene zu richten, mit uns im Gespräch zu bleiben und mit uns zusammen zu überprüfen, wie die Situation der Frauen – welche auf dem Dortmunder Straßenstrich arbeiten und deren Situation exemplarisch und vergleichbar ist mit der von Frauen, die in anderen Städten auf dem Straßenstrich der Prostitution nachgehen – langfristig gesehen verbessert werden kann.
Wir sind der Ansicht, dass ein emanzipatorischer Blick auf die Arbeit der Frauen notwendig ist, um langfristig zu erreichen, dass die Frauen selbstbestimmt und selbstständig ihrer Arbeit nachgehen.
In der Begleitung dieser Zielgruppe auf dem Weg dahin und in der sozialen, moralischen und rechtlichen Ebnung ihres Weges, sehen wir unsere Verantwortung.
Durch das Schaffen von struktureller Klarheit und Nachvollziehbarkeit soll auch der Gruppe der als Prostituierte arbeitenden Frauen die Möglichkeit gegeben werden, sich – unter Berücksichtigung gesicherter Kenntnisse von den Rechten und Pflichten einer als Selbstständige arbeitende Prostituierte – für oder gegen diese Tätigkeit entscheiden zu können.
Aktualisierung Frühling/Sommer 2009
Was hat sich verändert?
Von knapp 600 Frauen, die im Jahresverlauf auf der Ravensbergerstraße arbeiten, sind knapp 200 aus Bulgarien.
Im Straßenbild machen sie im Schnitt 80-90% der dort stehenden Frauen aus, weil sie praktisch täglich, und jeweils 14-18 Stunden am Tag, dort arbeiten, während die anderen Frauen insgesamt eher seltener und kürzer auf der Straße sind.
Im April berichtete der WDR in der Sendung „Frau-TV“ über die aktuelle Situation auf dem Dortmunder Straßenstrich.
http://www.wdr.de/tv/frautv/sendungsbeitraege/2009/0416/thema_01.jsp
An einem Abenddienst sind durchschnittlich 50-60 Frauen im Container. Auf der Straße sind im Schnitt 70-80 Frauen am Abend. An einem lauen Sommerabend Anfang Juni zählten wir 105 Frauen innerhalb von 4 Stunden, davon 75 im Container.
Nachdem sich die Arbeitssituation für KOBER auf der Ravensbergerstraße durch die diversen Problematiken der bulgarischen Frauen massiv verschärft hatte, wurde uns durch die Stadt Dortmund eine Sprachmittlerin zugesagt.
Seit Mai 2009 steht uns nun ein Honorarstundenkontingent von 20 Wochenstunden zur Verfügung. Dies bedeutet eine deutliche Erleichterung für die Sozialarbeit auf der Straße und für die Möglichkeiten, Frauen in akuten Bedarfsfällen zu Ämtern/ÄrztInnen ect. mit Dolmetscherin zu begleiten.
Ein sehr wesentlicher Faktor ist die Informationsvermittlung an die Gruppe der Frauen aus den neuen EU-Ländern. Regelmäßig finden in Kooperation mit der Aids-Hilfe Dortmund und der Schwangerschaftskonfliktberatungsstelle "Soziales Zentrum Westhoffstraße" Informationsveranstaltungen zu Themen wie "Sexuell übertragbare Krankheiten", "HIV- und Aids Prävention", "Empfängnisverhütung" oder "Sicheres Arbeiten auf dem Straßenstrich" im Container statt, die nun auch auf bulgarisch und teilweise türkisch übersetzt werden können. Auch beim Themenkomplex "Rechte und Pflichten von Prostituierten in Deutschland" zeigt sich großer Informationsbedarf. Zwar können aufgrund des begrenzten Raumangebotes im weiterhin baufälligen Beratungscontainer immer nur Gruppen von 10-12 Frauen an diesen Veranstaltungen teilnehmen, von diesen geht aber dann eine Multiplikatorenfunktion aus, denn sie berichten ihren Kolleginnen draußen von den neuen Erkenntnissen.
Langsam wird eine allgemeine Situationsentspannung spürbar. Dennoch sind noch lange nicht alle Probleme lösbar, denn 20 Wochenstunden sind schnell verbraucht bei einer Wochenpräsenz auf der Straße von 20 Stunden, den zusätzlichen Informationsabenden im Container und durchschnittlich 2-3 notwendigen Einzelbegleitungen von Frauen aus Bulgarien pro Woche, telefonischem Notdienst etc.
KOBER hat nach wie vor für die gesamten Arbeitsbereiche: Zugehende Straßensozialarbeit (Container), Beratungsstelle, offener Cafetreff und landesweite Aufgaben (KoopKoMa) einen Personalschlüssel von 3,5 hauptamtlichen Stellen, die sich auf 5 Mitarbeiterinnen verteilen.
Grundsätzlich möchten wir betonen, dass die Situation auf dem Dortmunder Straßenstrich im bundesweiten Vergleich relativ positiv zu bewerten ist. Organisierte Kriminalität hat praktisch keine Chance, Gewaltübergriffe sind selten, die Frauen in Dortmund brauchen keinen „Beschützer“ oder Ähnliches. Das Vertrauensverhältnis der Frauen zum zuständigen KK12 ist gut. Drogengebrauchende Frauen werden von den anderen toleriert, auch Frauen unterschiedlicher Gruppen und Herkünfte gehen relativ tolerant miteinander um. Das Beratungsangebot von KOBER wird vor Ort von allen Frauen positiv angenommen. Das Müllproblem ist nicht endgültig gelöst, hat sich aber durch die zur Verfügung stehenden Reinigungskräfte deutlich gebessert.
Es gibt nach wie vor viel Verbesserungsbedarf, aber wir möchten gerne aufzeigen, dass im Vergleich zu anderen Städten die Straßenprostitution in Dortmund durchaus sozialverträglich geregelt ist.
Im Rahmen der „40.Fachtagung Prostitution“, die KOBER im Mai in Dortmund ausrichtete, gründete sich die internationale Arbeitsgruppe „Sozialarbeit auf dem Straßenstrich“ zwecks Erstellung eines allgemeingültigen Konzeptes mit Mindestanforderungen für eine sozialverträgliche Straßenprostitution. Das Konzept von KOBER und der Stadt Dortmund gilt hier als „Vorzeigeprojekt“.
Wir werden bald einen neuen Container bekommen. Größere Räumlichkeiten, eine gute Isolierung, moderne sanitäre Anlagen und eine Heizung werden unsere alltägliche Arbeit auf der Straße erleichtern.
Nicht nur im Hinblick darauf blicken wir zuversichtlich in die Zukunft. Es gibt viel zu tun und wir packen es an.
Wir werden an dieser Stelle weiter berichten.
Stellungnahme zur Situation auf der Ravensberger Straße im Oktober 2009.
Die Relativität von Zeit und Raum
Haben Sie die Relativitätstheorie von Einstein verstanden?
Die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle KOBER erleben sie gerade.
Mitte Juli 2009 erfuhren wir, dass aufgrund eines Messfehlers unser Beratungscontainer auf der Ravensberger Straße früher als geplant den Baggern weichen musste. Als Übergangslösung für 3-4 Wochen wurde uns ein Wohnmobil zur Verfügung gestellt. Zügig sollte der lange geplante neue Beratungscontainer an anderer Stelle neu errichtet werden.
Bald darauf verschob sich der Zeitplan: Am 13 Oktober sollte es nun leider erst klappen, mit unserer neuen Unterkunft. Immerhin knapp drei Monate sollten wir also mit dieser Notlösung Wohnmobil/Wohnwagen ausharren.
Wer unsere Arbeit nicht kennt, kann schwer nachvollziehen, was das bedeutet. In unseren Beratungscontainer kamen allabendlich zwischen 50 und 70 Frauen. Manche auf eine Tasse Kaffee, ein kurzes Gespräch… viele mit Fragen über sicheres Arbeiten, Gesundheitsproblemen, persönlichen Problemen oder ganz akutem Hilfebedarf. Professionelle Beratungsgespräche mit einer Mitarbeiterin von KOBER unter vier Augen waren jederzeit im Besprechungsraum möglich und wurden viel genutzt, ebenso wie die einzige frei zugängliche Toilette im Container.
KOBER hatte ein verlässliches Unterstützungsangebot installiert. Ärzte kamen regelmäßig und konnten in einem kleinen Untersuchungszimmer medizinische Hilfe und Beratung leisten. Durch die Kooperation mit dem Gesundheitsamt konnten direkt vor Ort mehrmals im Jahr kostenlose HIV- und Syphilis-Tests angeboten werden. Eine Schuldnerberaterin war regelmäßig zu Gast und stand für Fragen und Beratungsgespräche direkt am Arbeitsplatz der Frauen zur Verfügung. Für die vielen Frauen aus Bulgarien, die zum großen Teil noch nicht deutsch sprachen, war sogar eine Dolmetscherin vor Ort. Auch die zuständigen MitarbeiterInnen des KK12, des zuständigen Kriminalkommissariats, waren immer gern gesehene Gäste und konnten den Frauen immer mit Rat und Tat beiseite stehen, wenn es mal wieder zu Übergriffen durch gewaltbereite Kunden oder andere Herren des Milieus gekommen war.
So wurden in jahrelanger Beratungsarbeit Vertrauensverhältnisse geschaffen, die ein vielfältiges und angepasstes Beratungsangebot erst sinnvoll und möglich machten.
Die Notlösung, vorübergehend aus einem Wohnwagen heraus zu arbeiten, gestaltete sich zunächst zwar schwierig, aber doch noch irgendwie praktikabel. Tische und Stühle wurden eben im Freien aufgestellt, der Kaffee bereits in der Beratungsstelle gekocht und in großen Thermoskannen mitgebracht. Medizinische Untersuchungen oder ruhige Beratungsgespräche unter vier Augen waren allerdings aus Platzmangel kaum mehr möglich und bei Regenwetter blieben auch die Tische und Stühle gleich im Wohnwagen. Aber der 13. Oktober rückte immer näher und sowohl die Mitarbeiterinnen von KOBER als auch die etwa 600 Frauen der Ravensberger Straße zählten die Tage….
Doch der 13.Oktober verging und kein neuer Container kam. „Um wenige Tage“ verzögere sich der Termin, wurde uns mitgeteilt.
Auch einige weitere Tage vergingen ereignislos, bis wir am 26.Oktober erfuhren, dass es nun noch weitere 3-4 Wochen dauern soll.
Mittlerweile ist es Herbst, es ist kalt und regnerisch, die Uhren ticken in Winterzeit und ab 17 Uhr wird es dunkel auf der Ravensberger Straße. Der Wohnwagen steht mitten in der „Boxengasse“, links und rechts von uns findet das statt, wofür der Straßenstrich da ist und vor dem Wohnwagen fahren im Schritttempo die potentiellen Kunden und Spanner, die hoffen, im Vorüberfahren etwas Interessantes zu sehen. In dem aufgeregten Gemütszustand dieser Vollblut-Männer werden dann auch gerne mal die Mitarbeiterinnen von KOBER Zielscheibe wenig sinnbehafteter Kommunikationsversuche. So kommt es durchaus auch zu Beschimpfungen und Bedrohungen.
Das hat den Vorteil, dass wir nun noch besser nachvollziehen können, warum für die dort tätigen Frauen eine Auszeit, eine kurze Pause und die Rückzugsmöglichkeit in den geschützten Containerraum so wichtig sind.
Leider haben wir keinen Container.
Was wir haben, sind erstklassige Projekte mit diversen Kooperationspartnern, zum Beispiel muttersprachliche HIV-Prävention und Gesundheitsaufklärung für die Frauen, die kein Deutsch sprechen, Freizeitprojekte zum Zwecke der Festigung der sozialen Kontakte der Frauen untereinander, Angebote für kostenlose gynäkologische Untersuchungen und nicht zuletzt unsere Ausstiegshilfen mit multiprofessionellem Ansatz…..
Solche Projekte stehen –zum Teil bereits mit bewilligten Kostenübernahmen-, in den Startlöchern… doch ohne Raum kein Projektstart.
Während die Medien sich überschlagen, über die neuen EU-Migrantinnen in der Prostitution und die damit verbundenen Probleme zu berichten, haben wir Bedarfe ermittelt und Projekte geplant, Kooperationspartner gefunden und Anträge formuliert. Sobald wir wieder einen Container haben, können wir starten.
Während wir frierend mit den Frauen vor unserem Wohnwagen im Regen stehen, werden wir Zeugen, wie dank erstklassiger Planung und Organisation vor unseren Augen eine SB-Möbelhalle mit 8000qm Nutzfläche fertig gestellt wird. An dem Platz, wo vorher unser Container stand. Unser 100qm Container ist immer noch nicht in Sicht. Die Relativität von Zeit und Raum ist für uns eine reale Erfahrung geworden.
Kirsten Cordes, Mitarbeiterin der Beratungsstelle KOBER.