Stellungnahme der Beratungsstelle KOBER zur „Schock-Postkarten-Aktion“ der Dortmunder Nordstadteltern-Initiative.
Aus der örtlichen Presse erfuhren wir von dieser Aktion:
Zitat: „Mit schönen Grüßen aus dem Dortmunder Norden erhielten jetzt Politik, Verwaltung und Polizei Dortmunder Ansichtskarten der anderen Art: Prostituierte auf dem Straßenstrich, ein Saufgelage am Nordmarkt und Heroinspritzen auf dem Kinderspielplatz. Darüber z.B. in roten Lettern: "Möchten Sie, dass Ihre Kinder Prostitution als Alltagserfahrung erleben? Wir auch nicht!"“
Quelle: Ruhr-Nachrichten vom 07.072009 http://www.ruhrnachrichten.de/lokales/dolo/Dortmund;art930,605436
Wir, die Mitarbeiterinnen der Beratungsstelle für Prostituierte „KOBER“, haben das dringende Anliegen, zu der oben genannten Aktion, speziell zu der Postkarte mit dem Straßenstrichmotiv, Stellung zu nehmen.
1) Insgesamt möchten wir zum Ausdruck bringen, dass wir als Beratungsstelle KOBER des Sozialdienstes katholischer Frauen e.V. sehr am Kindeswohl und an einer Verbesserung der Lebenssituation in der Nordstadt interessiert sind und uns seit vielen Jahren aktiv dafür einsetzen. Nicht nur, dass diese Aktionskarte mit dem Straßenstrichmotiv ihr Ziel verfehlt, sie verschärft die Problematik auf dem Rücken der Frauen, die legal auf der Ravensbergerstraße der Prostitution nachgehen und eben nicht im Wohngebiet und nicht dort, wo der Kinderalltag sich abspielen sollte. Hier wird ganz bewusst durch den Text: "Möchten Sie, dass Ihre Kinder Prostitution als Alltagserfahrung erleben? Wir auch nicht!" der Eindruck erweckt, es handele sich um eine Szene aus dem Wohngebiet in der Nordstadt.
2) Es ist eine Missachtung des Persönlichkeitsrechts, Frauen ohne ihr Wissen und ohne ihr Einverständnis bei ihrer legalen Tätigkeit auf dem offiziellen Straßenstrich zu fotografieren und dieses Bild zu veröffentlichen. Abgesehen von der juristischen Seite empfinden wir es als fragwürdige Vorbildfunktion, wenn Eltern derart diskriminierend agieren.
3) Diese 3000 Postkarten führen dazu, dass die Frauen sich wieder vermehrt ins Sperrgebiet zurückziehen werden, wenn sie befürchten müssen, an ihrem eigentlichen, legalen Arbeitsplatz von Nordstadteltern heimlich fotografiert und als Prostituierte per „Schock-Postkarte“ „zwangsgeoutet“ zu werden.
4) Die Behauptung, Kinder würden in ihrem Alltag mit diesem Bild der Ravensbergerstraße konfrontiert, ist nicht ganz falsch. Ansprechpartner wären allerdings die Väter der Kinder. Man müsste sie einfach bitten, ihre Kinder bei einem Besuch auf dem Straßenstrich zuhause zu lassen und nicht, wie es durchaus vorkommt, im Kindersitz über den Straßenstrich zu kutschieren und von den Frauen zu erwarten, sexuelle Dienstleistungen im Beisein dieser Kinder an ihnen vorzunehmen. Ansonsten haben auf der abgebildeten Ravensbergerstraße Kinder nämlich nichts zu suchen. Der Straßenstrich liegt in einem abgelegenen Industriegebiet und weit ab von irgendwelchen Schulwegen, Spielplätzen oder Wohnhäusern. Er ist auf Betreiben einer BürgerInneninitiative explizit dazu geschaffen worden, die Straßenprostitution aus den Wohngegenden zu verlagern.
Beratungsstelle KOBER, 07.07.2009